Kneipp'sche Güsse

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Wie ich zu Kneipp kam


Schon im Alter von fünf Jahren bekam ich von meinem Großvater Kneippgüsse verpasst. Ich lief kreischend vor dem Gartenschlauch davon. Gleichzeitig fand ich es aber lustig und– wenn es vorbei war – sogar herrlich. Später war es in meiner Familie üblich, nach der warmen Dusche noch kalt abzuduschen oder im Winter nackt im Schnee zu rollen. Wie das Leben so spielt, wurde ich später, neben anderen Berufen, auch staatlich geprüfte Heilbademeisterin und unterrichtete an einer Wiener Schule Kneippgüsse und Bäderanwendungen.

Warum ich Kneipp schätze

Neben der erfrischenden, belebenden Wirkung sind bei Kneippschen Güssen viele regulierende Effekte zu erfahren. Wer in einer Kneipp-Kurklinik oder im Kneipp-Hotel Kneipp´sche Güsse kennenlernt, kann sicher das ein oder andere für Zuhause mitnehmen.
Für die Blutgefäße sind Kaltwasseranwendungen ein Training. Während des Gusses ziehen sich die Gefäße zusammen, danach ist eine reaktive Hyperämie (Mehrdurchblutung) zu erwarten. Die führt zu einer Erleichterung bei schweren, müden oder ödematösen (Wasseransammlung) Beinen und zu einer besseren Durchblutung. Das Bindegewebe wird straffer, der Stoffwechsel wird aktiviert. Zudem gibt es eine reflektorische Wirkung auf die inneren Organe: Herz, Lunge, Nieren, Blase, Darmperistaltik werden je nach Guss positiv beeinflusst. Bei Bluthochdruck, niedrigem Blutdruck, bei Kopfschmerz und bei Verdauungsstörungen kann eine Besserung erreicht werden. Voraussetzung ist, dass keine Kontraindikationen vorliegen, der Patient/Klient gut vorgewärmt ist und der Guss richtig angewendet wird. (So sollte der Wasserstrahl einen flächigen Wassermantel um den „begossenen“ Körperteil bilden, gleichmäßig von der Körperperipherie zum Zentrum (Herzen) gearbeitet werden und an bestimmten Stellen verweilen.)ev. erst in der nächsten Ausgabe?!

Die Güsse

Es gibt nicht nur die "gefürchteten" kalten Güsse, sondern natürlich auch die "wechselwarmen" und die warmen oder ansteigend heißen Güsse. Wer sich jetzt freut und für sich nur die warmen Güsse auswählt, dem sei aber gesagt: "Soviel Wärme wie nötig, soviel Kälte wie möglich." Damit soll ein zu starker Reiz vermieden werden. Die richtige Temperatur eines Gusses ist von Person zu Person unterschiedlich. Entscheidend ist das Wohlbefinden nach dem Guss.

 

Welche Güsse gibt es?

Es gibt den Knieguss, Schenkelguss, Unterguss, Armguss, Oberguss, Vollguss, Kopf- und Gesichtsguss, den Rückenguss und den Nackenguss. Das Besondere an Kneipps Güssen liegt darin, dass durch einen gebundenen, fast drucklosen Wasserstrahl (wie er nämlich auch aus einer herkömmlichen Gießkanne kommt) ein Temperaturreiz nahezu ohne Reiz auf die Druckrezeptoren in der Haut ausgeübt wird. Gegenteilig dazu gibt es aber auch sogenannte Druckstrahlgüsse wie z. B. Blitzgüsse, die zusätzlich zu dem Wärme/Kältereiz noch den druckmechanischen Reiz des Wassers haben. Mit einem Druck von –zwei bis drei atü stellen sie die stärkste Stufe der Kneippgüsse dar. Sie kommen als Abhärtungsmaßnahme und zur Stoffwechselanregung zur Anwendung.

Der Sinn der Güsse

Mit den Kneippschen Güssen soll der Blutfluss „gelockt“ und reguliert und damit der Wärmehaushalt des Körpers (wieder) ins Gleichgewicht gebracht werden. Durch den Wärme- oder Kältereiz des Wassers wird durch die Hautnerven das vegetative Nervensystem angesprochen. Dieses vermag nicht nur auf die Blutgefäße einzuwirken, sondern es kommt auch zu einer Mitreaktion der verschiedensten Organe. Hier ein Beispiel: Mit dem Knie oder Schenkelguss werden die Organe im kleinen Becken oder Bauch angesprochen. Oberguss, Armguss und Rückenguss wirken insbesondere auf die Brustorgane, Herz und Lunge, sowie auf den Kopf.

 

Quelle: heiss+kalt - Copyright Maria Hastenstab