Aufguss im Wonnemar Ingolstadt

Mehr als heiße Luft – Das Geheimnis trockener und feuchter Wärme

Fragen Sie sich im feuchten Warmluftbad oder "Sanarium" auch, ob Sie wirklich schwitzen, oder ob sich nur ein Feuchtigkeits-Film auf die Haut legt? Wundert es Sie, dass sich Ihr Körper im Dampfbad bei 50°C feuchter Wärme ebenso schnell erhitzt wie im trockenen Raum bei 90°C? In Internetportalen wie dem "heiss+kalt"-Portal SaunaSauna.de gibt es dazu viele Fragen an den Saunameister, die nicht nur von jungen Saunagästen gestellt werden.

Wie wirkt ein Dampfbad auf den Körper, wie die trockene Hitze? heiss+kalt begab sich auf eine kleine Entdeckungsreise und sprach mit Prof. Dr. Dr. Kleinschmidt vom Institut für Medizinische Balneologie in München, Prof. Dr. med. Eberhard Conradi, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Saunabunds, sowie Prof. Dr. med. Karl-Ludwig Resch vom Forschungsinstitut für Balneologie und Kurortmedizin, Bad Elster.

Wärme tut gut – seit Jahrtausenden

Grundsätzlich geht es bei allen Wasser- und Luftbädern um Erwärmung, zunächst der Haut, dann der tieferen Schichten und schließlich des ganzen Körpers. Neben den beiden „Reinformen“ gibt es seit Jahrtausenden die Mischung aus Wasser und heißer Luft: das feuchte Dampfbad. Schon im steinzeitlichen Steinschwitzbad wurde durch Wassergüsse auf heiße Steine feuchte Hitze erzeugt.

Der Gegenspieler der Hitze ist die Kaltanwendung: das kalte Wasser oder die kalte Luft. Schon die Steinzeitmenschen und die Kaltwasser-Ärzte der Antike entdeckten das Wunder des Wechselspiels von heiß und kalt. Durch Abkühlung nach der Erwärmung wird der Körper an die gegensätzlichen Reize gewöhnt und kann nach mehrmaliger Anwendung den Wechsel von Hitze und Kälte besser vertragen. Das stärkt - bei regelmäßiger Anwendung - Kreislauf und Immunsystem.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Wasserbädern, in die man eintaucht und dann dem Wasserdruck ausgesetzt ist, und Luftbädern, in denen keine solche Druckwirkung auftritt.

 

Kissalis-Therme

Die Luftbäder werden unterteilt in

Heißlufträume (geringe Feuchte, besonders Trockensauna aus Holz, 80-100°C)

Warmlufträume (meistens 40-60°C) mittlere Feuchte, sog. „Bio-Bad“, „Sanarium“ (Klafs)

In der Geschichte der Badekulturen gab es in römischen Thermen das Tepidarium (nur 20-25°C) zum Vorwärmen, in der islamischen Kultur entwickelte sich aus der römischen Therme der Hamam (32-38°C). Beide in Massivbauweise, erst in den 80er Jahren wurde vor allem in Deutschland das sog. Sanarium (Klafs) oder andere Warmluftbäder in Holz gebaut. Diese sehen äußerlich wie Saunakabinen aus, sollten aber nicht mit der Sauna verwechselt werden.

Dampfräume (45-60°C, hohe Feuchte, sichtbarer Dampf, mind. 100%) wurden traditionell massiv gebaut, im 20 Jh. wurden außerdem Kunststoffkabinen entwickelt. Heute erfreuen sich Caldarien (50°C ) aus der römischen Tradition in Massivbauweise (Kacheln und Keramik) neuer Beliebtheit.
Alles nur heiße Luft?

Warum verbrennen wir uns nicht in heißer Luft? Warum ist es möglich, in einer trockenen Sauna über 100°C auszuhalten? Trockene Kälte kann sehr angenehm sein, bei hoher Luftfeuchtigkeit dringt sie hingegen gleichsam durch alle Poren. Ebenso ist es mit der Hitze: Trockene Wärme können wir häufig gut vertragen, d. h. länger aushalten, während tropische feuchtwarme Luft unseren Körper strapaziert. Gewittriges feuchtwarmes Wetter schlägt uns „auf den Kreislauf“.

Bäder in trockener Hitze sind daher eine geheimnisvolle, uralte Erfindung: Der Körper schwitzt, und durch die Trockenheit der Luft kann der Schweiß auf der Haut direkt verdunsten – dies kühlt den Körper. Trotzdem gelingt es ihm nicht, die Temperatur bei 37°C Kerntemperatur zu halten. Der Körper wird zwar langsamer erhitzt als im Wasser. Dennoch ist eine allmähliche Überwärmung unvermeidbar und sogar das das Ziel: In der Sauna soll eine Überwärmung des Körpers, d. h. eine Erhöhung der Körper-Kerntemperatur von bis zu 1°C erreicht werden, ähnlich wie bei „künstlichem Fieber“. Die Blutgefäße weiten sich, und die Temperatur der Haut steigt von 30 sogar um 10°C und noch mehr an.

Trockene Hitze und der Aufguss als Kick

In der Trockensauna wird der Körper durch heiße Luft, aber auch durch die Rückstrahlung (Infrarotstrahlung) der heißen Bänke und Holzwände erhitzt. Dies ist eine langwellige Infrarotstrahlung, die man nicht sieht. Infrarotstrahler kann man demgegenüber in der Regel auch mit bloßem Auge wahrnehmen. Dazu Prof. Kleinschmidt: „Hier wird eine kurzwelligere Wärmestrahlung erzeugt, die etwas tiefer durch die Haut dringen kann und damit den Wärmetransport in die tiefer gelegenen Gewebebereiche beschleunigt, nicht sehr viel, aber doch so, dass man etwas früher als in einer klassischen Sauna den Erwärmungsprozess abbricht. Wenn wir unter „bio“ intuitiv ein „besser verträglich“ verstehen, ist eine klassische Holzsauna etwas mehr „bio“ als die neuen IR-Wärmekabinen.

Ähnlich wie im Wannenbad bildet sich in der heißen Luft eine Schutzschicht um den Körper, begünstigt bei vielen Körperhaaren. Diese sind das Rudiment von Fellen der Urmenschen: Dort wurde die hautnahe Luft „gefangen“ gehalten und verursachte den Wärmeisolationseffekt, der heute bei Wärmedämmung mit Glasfasern und anderen lufthaltigen Materialien nachgebildet wird. Deshalb können in der Sauna auch 95°C ausgehalten werden, vorausgesetzt, man bleibt möglichst bewegungsarm sitzen. Bei einem Aufguss ändert sich der Wärmeübergang drastisch: Die Schutzschicht um den Körper wird  „weggerissen“, man erlebt einen „Hitze-Kick“, wird schneller erhitzt, schwitzt stärker und der Kreislauf wird zwangsläufig stärker beansprucht.

Oft sagen Gäste, in der einen Saunakabine fühlten sie sich wohl, in der anderen nicht. Das kann vielfältige Ursachen haben: In einer Blockhaus-Sauna sind Rückstrahlung und Belüftung anders als in einer Massiv- oder Element-Sauna. Vor allem ist die Belüftung der Kabine entscheidend. Diese kann trotz der Richtlinien der Hersteller sehr unterschiedlich ausfallen. Und: Je höher die Besucherzahl, desto größer der Sauerstoffmangel.

Hier empfiehlt Prof. Dr. med. Karl-Ludwig Resch vom Forschungsinstitut für Balneologie und Kurortmedizin, Bad Elster: „Es ist wichtig, in den Körper hineinzufühlen und auf seine vegetativen Reaktionen zu achten. Was wird als unangenehm empfunden, was als angenehm – ist es der Puls, ist es das Atmen in der Kabine? Die Reaktionen des Körpers können vom einen Tag zum anderen sehr variieren.“

Abkühlphase

Die Abkühlung ist der wichtigste und auch gefährlichste Teil des Saunaganges. „Während es in großer Hitze eher zur Blutdrucksenkung und dann im Extremfall zu  Schwindel-Anfällen kommt (in diesem Fall: Beine hochlegen), kann der zu schnelle Sprung ins kalte Tauchbecken für Blut-Hochdruckpatienten durch gleichzeitiges reaktives Zusammenziehen der Blutgewässer und durch Auspressen, bedingt durch den Wasserdruck, zu einer Blutdrucksteigerung führen, die gefährlich ist“, warnt Prof. Kleinschmidt. Deshalb würden z. B. Herzinfarktpatienten in der Rehabilitation zwar Saunagänge erlaubt, aber anfangs ohne Tauchbäder, sondern lediglich mit abkühlenden Güssen. Letztlich ist das korrekte Abkühlen das Geheimnis richtigen Saunierens und Dampfbadens, denn nur durch richtiges Abkühlen wird der sog. „Abhärtungseffekt“ erzielt.

heiss+kalt empfiehlt:

  1. Regelmäßige Saunagänge (mindestens einmal pro Woche)
  2. Den Körper gut erhitzen, aber die Kabine verlassen, wenn es unangenehm wird (Sauna oder Dampfbad). Die Körpertemperatur soll um mindestens ein Grad Celsius erhöht werden
  3. Vorsichtig abkühlen: zuerst Bewegung an der frischen Luft, Schlauchguss zum Herzen hin, kalte Dusche und evtl. Tauchbecken
  4. Ein warmes Fußbad ist Teil der Abkühlphase und wird gerade Kreislauf-Empfindlichen empfohlen
  5. Ausruhen – Wenn die Temperatur im Ruheraum zu hoch ist, verzögert sich der Abkühlungsprozess.

Quelle: heiss+kalt - Copyright: Martina Frenzel, wellness&media Köln