Die römische Badekultur
Nachdem die Menschen bei der Gründung Roms noch im Tiber schwammen, wurde 90 v. Chr. die Hypokaustenheizung (Luftheizung) erfunden, die den Thermenbau im großen Stil ermöglichte. Und schon 19. v. Chr. eröffnete die Therme des Feldherrn Agrippa mit einer Fläche von 14.000 Quadratmetern. Die Badelandschaft wird Ort der Kommunikation, der Reinigung, des Sports und der Kultur.
Zu den drei Schwitzräumen der Griechen kommen jetzt noch das Apodyterium als Umkleideraum und häufig das Caldarium als feuchter heißer Baderaum hinzu. Anfangs waren die Räume hintereinander, später ringförmig angeordnet. Beim "Kaisertyp" der Thermen der Kaiserzeit wurde beides geschickt kombiniert, der Gast konnte so in verschiedene Richtungen gehen. Kaum vorstellbar: Das Frigidarium konnte die Fläche des Kölner Doms erreichen!
In den Thermen der Kaiserzeit, in denen am Schluss bis zu 3000 Personen baden konnten, hatte jeder Raum eine eigene Funktion:
Apodyteria
Umkleideräume mit Sitzbänken und abschließbaren Wandnischen für die Kleidung.
Frigidarium
Raum mit Kaltwasserbecken und Marmorsesseln, in denen man liegen und sich mit kaltem Wasser übergießen lassen konnte. Das Übergießen wurde von "mitgebrachten" Sklaven oder von den Bademeistern (balneatores) durchgeführt.
Tepidarium - Vorwärmraum mit 25 bis 30 C.
Caldarium (ca. 50 C, Luftfeuchtigkeit 90 bis 100 C) - Dampfbaderaum, dessen Fußboden so heiß war, dass er nur mit Holzschuhen betreten werden konnte. (für Reiner: Foto Holzschuhe) Häufig gab es zusätzlich Warmwasserbecken, aus denen Dampfschwaden aufstiegen. Man legte sich in die Becken und konnte sich von Sklaven mit warmem Wasser übergießen lassen.
Laconicum oder Sudatorium
(ca. 80C) - Trockenes Schwitzbad griechischer Tradition, das durch eine Feuerstelle im Rauminneren geheizt wurde.
Natatio
ein nicht überdachtes Kaltwasserbecken zum Abkühlen.
Leben in den Thermen der Kaiserzeit
Heute gibt es in den modernen Thermen wohl kaum eine Einrichtung - mit Ausnahme des Computers - die nicht ein Vorbild in der römischen Badekultur hatte. Trotzdem ist das Badeleben mit heute nicht vergleichbar: Da gab es Kaiser, die badeten gemeinsam mit ihren Untertanen. Frauen, die oft unter sich zu getrennten Zeiten badeten, stellten Kleider und Schmuck zur Schau. Es gab Mächtige, die in Sänften getragen wurden und von mehreren Sklaven bewacht waren. Erika Brödner zitiert Lukianos: "Als er, (der stets mit großem Gefolge auftretende Protz) in den Bädern lästig wurde, da die ihn begleitenden Sklaven die Entgegenkommenden beengten und stießen, da flüsterte wohl einer leise: "Er befürchtet, man könnte ihm beim Baden nach dem Leben trachten, und dabei herrscht doch Frieden im ganzen Bade". Der aber hörte das und ließ sich belehren." (Brödner, Die römischen Thermen und das antike Badewesen)
Römische Bade-Rituale
Es gibt nur wenige Nachweise darüber, wie die Badefolge aussah.Petra Mayer-Reppert und Britta Rabold schreiben in "Denkmalpflege in Baden-Württemberg" 03/2003: "Der Besuch in einem römischen Bad hatte Ähnlichkeiten mit einem heutigen Saunabesuch. Damals wie heute wurde der Körper einem Wechsel zwischen Heiß und Kalt ausgesetzt, wie wir aus den Schriften des römischen Arztes Galenus von Pergamon erfahren:Nachdem sich der Badegast im apodyterium ausgekleidet hatte, erfolgte im frigidarium in der Regel eine kurze Reinigung. Im lauwarmen Übergangsraum, dem tepidarium, herrschten Temperaturen um die 28 Grad Celsius. Wasser spielte hier keine Rolle. Vielmehr wärmte man sich hier auf und nahm Massagen und das Einreiben des Körpers mit Öl vor. Anschließend konnte man im caldarium im heißen Wasser oder in der feuchtheißen Raumatmosphäre, die mit rund 35 Grad Celsius und annähernd 100 Prozent Luftfeuchtigkeit einem Hochsommertag in der Rheinebene nicht unähnlich war, schwitzen. Danach kühlte man sich im tepidarium wiederum ab und streifte mithilfe eines Schabers, des so genannten strigilis, Öl, Schweiß, abgestorbene Hautschüppchen und eventuell den Sand der Sporthalle (palestra) von der Haut. Eine vollständige Abkühlung erfolgte dann im frigidarium. Daran konnte sich der Besuch des trockenheißen Schwitzraumes (sudatorium) anschließen. Diese "Durchgänge" konnten je nach persönlicher Vorliebe abgewandelt oder auch wiederholt werden.
Quelle: heiss+kalt - Copyright Martina Frenzel, wellness&media Köln
LESEN SIE HIER WEITER: Was kam danach?



