Schwitzhütten und Badepaläste

- Foto: Friedrichsbad Baaden-Baaden
Ein Streifzug durch 7000 Jahre Badekultur
Neben der klassischen Finnischen Sauna findet der Besucher heute in Saunabädern und Thermen eine Vielzahl von Schwitzkabinen, die anderen Badekulturen entstammen wie Caldarien oder Laconien. Was zeichnet diese Bäder eigentlich aus, und warum wissen wir so wenig über ihre kulturelle Herkunft?
In Deutschland wurde die Finnische Sauna nach den Olympischen Sommerspielen 1936 vom Reichsgesundheitsministerium eingeführt. Der Grund: Die herausragenden sportlichen Erfolge der Finnen führte man auch auf die Wirkung ihrer Schwitzkultur zurück. Die Wettkämpfer hatten sich im Olympischen Dorf in Berlin eigens eine Finnische Sauna einbauen lassen.
Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts die römischen Thermen - z.B. durch den Bau des Friedrichsbads in Baden-Baden und der Kaiser-Friedrich-Therme in Wiesbaden - eine kurze Renaissance erlebt hatten, wurde die Finnische Sauna im Deutschland des 20. Jahrhunderts berühmt. In den 60er Jahren entstanden tausende kleiner Saunabetriebe, meist kombiniert mit Massage oder Physiotherapie. Oft gab es nur eine Holzkabine, Abkühlung und Tauchbecken. Ein Swimming-Pool war damals verpönt, weil nicht authentisch.
Einige dieser Saunabetriebe führten schon in den 70er Jahren Gastronomie ein, installierten einen warmen Pool und boten Nackt-Sonnen in großen Gärten an. Sie betrieben "Wellnessanlagen" lange bevor es diesen Begriff in Deutschland überhaupt gab. Als nächstes vergrößerten auch die Hallenbäder ihre Saunabereiche und schließlich wurden große Erlebnis- und Thermalbäder neu gebaut. Der Begriff "Therme" (der nicht geschützt ist, jeder darf ein Bad "Therme" nennen) entstammt den antiken Badekulturen. Auf diese Traditionen berufen sich Bäder mit Thermalwasser, kalten und warmen Becken sowie zahlreichen Schwitz- und Badekabinen heute.
Hartnäckig hält sich jedoch der Begriff "Sauna" für alle Kabinen. Dabei hat ein Dampfbad genauso wenig mit der Sauna im eigentlichen Sinne zu tun wie ein Caldarium. Umso interessanter ist es, sich die Geschichte der Schwitz- und Badekulturen in der ganzen Welt anzuschauen!
Schwitzen Jahrtausende vor Christus
In der Steinzeit grub man ein Erdloch, benutzte eine Höhle oder baute ein Zelt. Durch Völkerwanderungen z. B. über die Behringstraße verbreiteten sich ähnliche Schwitzformen in Finnland, Nordrussland, Korea sowie Nord- und Mittelamerika. Historische Quellen sind rar, und eine weltweite Recherche, wie Autoren wie Horst Prignitz oder Alfred Hartmann sie versucht haben, ist mühsame Puzzle-Arbeit. Aus dem 17. bis 19. Jahrhundert gibt es präzise Überlieferungen:
Vielleicht darf man aus den Reisebeschreibungen um 1700 n. Chr. Rückschlüsse auf uralte Bäder der Indianer ziehen. Der Amerikaforscher Diereville berichtet um 1699 über die Bäder der Indianer: "Wenn die Indianer ganz schwach und entkräftet sind, so verhelfen sie sich mittels eines starken Schweißes wieder zu ihrer Gesundheit. Sie graben ein Loch, so groß wie sie lang sind und belegen dasselbe an beiden Seiten mit Felsensteinen, welche sie durch ein heftiges Feuer fast ganz glühend machen, Hernach bedecken sie den Boden eines Loches mit einer Lage Tannensträucher und legen sich der Länge nach drauf, sodann bedecket man sie mit anderen Sträuchern, welche sich erhitzen und vermöge ihrer harzigen Eigenschaft einen dicken Dampf von sich geben. Es währet nicht lange, so schwitzen sie schon durch und durch, und halten damit so lange an, als es ihnen beliebt. Wenn sie nun ganz nass von Schweiß sind, so gehen sie aus ihren Schwitzöfen sogleich ins kalte Wasser, weshalb die Schwitzöfen allzeit an einem See oder Fluss angelegt werden. Sie werden nach dem Schwitzen augenblicklich gesund." (Hartmann, Badereise)
Auch im heutigen Finnland wurde zunächst in Erdgruben und erst später in Blockhäusern geschwitzt. (heiss+kalt, 01/2003). Es sind die "Urformen" des Schwitzens, die uns ihre rituelle Weisheit bis heute übermitteln. Die Formen "glühende Steine, später der Ofen" ähneln sich in den unterschiedlichsten Kulturen. Verschieden ist je nach Region das verwendete Material: Decken, Lehm, später Holz und Stein.
Neben der Geschichte der Schwitzkulturen gibt es parallel die Entwicklung des Badens und Schwimmens. Man badete auch in Vorzeiten in Flüssen, das Schwimmen wurde schon erlernt. In anderen Regionen wiederum gab es bereits Becken oder warme Wannen. Eine Zeichnung aus dem 4. bis 5. Jahrtausend v. Chr. zeigt Kraulschwimmer im Alten Ägypten. "Bis tief in die Vergangenheit lässt sich das altägyptische Badewesen zurückverfolgen. Die ägyptische Zeichnung zeigt mehrere Kraulschwimmer."
(Horst Prignitz, Wasserkur und Badelust)
Wie es anfing: Baden in antiken Hochkulturen
Warme Becken soll es schon in den indischen Hochkulturen und im alten Babylonien gegeben haben.
Bereits 4500 v. Chr. beherbergten die Paläste der Herrscher von Mesopotamien Badezimmer mit tönernen Wannen. Eine gut funktionierende Kanalisation sorgte für die Ableitung des Schmutzwassers. Ein Säulengang umgab die Anlage, die vermutlich religiös-rituellen Zwecken diente. (Kiby, Badewonnen
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Beim Schmökern durch die Jahrtausende fällt dem Laien auf, was für Historiker selbstverständlich ist: wie unterschiedlich zur selben Zeit (?) der technische und kulturelle Standard in verschiedenen Regionen der Welt immer wieder ist. Da gab es in Hochkulturen Abwasser- und Heizsysteme, die über Jahrtausende bis in die frühe Neuzeit wieder in Vergessenheit gerieten. Es ist eine Geschichte von Brüchen und Verschiedenheiten, aber auch erstaunlichen Gemeinsamkeiten in der ganzen Welt.
"Mens sana in corpore sano" - Vorreiter Griechenland
Für die Geschichte unserer abendländischen Badekultur ist die Entwicklung in Griechenland bedeutend, dessen Badewesen sich aus dem Vorbild der altorientalischen und indischen Kulturen entwickelte. Man verband das Baden in Wannen und Becken nun mit dem Schwitzbad.Mittelpunkt der griechischen Kultur ist der Sport. Die Sportler sollten im Schwitzbad Laconicum (erster Nachweis 5. Jh.v.Chr.) vor allem die Schmutzkruste entfernen: "Die Sportler begaben sich in einen kleinen Raum mit Feuerstelle im Zentrum, um den am Körper haftenden Schmutz abzuschwitzen. Danach folgte die Übergießung mit kaltem Wasser." (Kiby, Badewonnen)Die Abhärtung des Körpers durch Hitze und Kälte wurde nun nicht nur religiös, sondern auch "wissenschaftlich" begründet. Hippokrates, Urvater der rational-empirischen Medizin, schrieb dem Heißluftbad medizinischen Nutzen zu, das Bad in warmem Wasser galt dagegen als verweichlichend und für Alte und Kranke geeignet.Die Badekultur erlebt nun eine erste "Blüte" in einer Zeit, in der man in anderen Regionen noch auf "Steinzeit-Niveau" schwitzte: Es gibt bei den Griechen schon zwei verschiedene Räume zum Aufwärmen: das Tepidarium zum Vorwärmen und das Laconicum als Warmluftraum (oder Raum für Wannenbäder). Voraussetzung ist natürlich eine für diese Zeit sehr hoch entwickelte Heiztechnik. Der in der Nähe liegende See oder Fluss zum Abkühlen wird - ganz modern - ersetzt durch das Frigidarium, ein unbeheizter Raum mit Kaltwasserbecken.Quelle: heiss+kalt - Copyright Martina Frenzel, wellness&media Köln
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