Saunabaden richtig genießen

Foto: Felsland Badeparadies, Dahn

Unsere Freunde im seenbedeckten Finnland empfangen ihre Gäste traditionell in der Sauna. Hier knüpft und festigt man Freundschaften. Nirgendwo sonst kommt man sich schneller näher als in der Sauna. Gemeinsam wird geschwitzt und befreiender Dampf abgelassen. Spürt man dann die Birkenquaste auf der Haut, schwinden Meinungsverschiedenheiten und die Bereitschaft zur Assimilation steigt.

Diese Kultur üben finnische Politiker, Geschäftsleute, Künstler und Intellektuelle, ebenso wie der Durchschnittsbürger. Die reglementierte „Sanduhrkultur“ der deutschen Schwitzbäder entlockt den Saunaweltmeistern lediglich ein konsterniertes Schmunzeln. Für Finnen steht das Saunen für geteiltes Vergnügen.

Der Hang zum Bombast in der deutschen Schwitzbranche dagegen ist verblüffend. Die Kabinen werden immer größer, die Anlagen immer ausgedehnter und der Zwang zum Umsatz immer drückender. Ein „Bio Sanarium” muss her. Was ist den das? fragt der Laie, und der abgeklärte Finne sagt, wer braucht so etwas? Es gibt doch in jeder Sauna die untere Bank. Wozu benötigt man farbige Beleuchtungskörper, einen „Klangteppich“ oder Aromaöle? Was soll das ganze Brimborium? Ich will doch nur schwitzen und mich entspannen.

Dem Gast fällt es schwer sich in einer der pomphaften Saunalandschaften zu orientieren. Verloren durchstreift er die Anlage, irrt am „Laconium“ vorbei, läuft zwischen Tauchbecken, Innensaunas, irisch-römischen Dampfgrotten und vielfarbig beleuchteten Außenbecken umher. Und findet er endlich die missratene Reproduktion einer „finnischen“ Blockhaussauna, steht dem frustrierten Gast das Grausen ins Gesicht geschrieben. In der Schwitzstube sitzen lauter blasierte Saunaspinnerte gemischten Geschlechts, geschmückt mit Armbändern, Ringen, goldenen Halsketten und anderem Firlefanz, der nicht nur in finnischen Saunas Brandflecken verursacht. Ganz nebenbei lernt er dann, dass das Vergnügen des Aufgusses in der deutschen Sauna nur stündlich zu haben ist, und zwar allein durch die Hand des Bademeisters. Der Mann, der sich gern als Zeremonienmeister sieht, hat selbstverständlich seine eigene Essenzenmischung ins Wasser gegeben. Das macht Eindruck auf die Damen. Bevor er das aromatisierte Nass, mittels Holzkelle, wenigstens da bewahrt er Stil, auf die Steine träufelt, atmen auf sein Geheiß hin alle braven Deutschen tief ein. Nur der Finne verweigert ihm den Respekt. Er keucht und hustet, weil ihm der aromatisierte Aufguss unbekannt ist. Seine Augen tränen und er möchte aus der Hütte flüchten. Doch strenge Blicke halten ihn davon ab. Er darf ja nicht. Die Regeln! Derweil atmen seine deutschen Mitschwitzer aus und der Aufgießer wedelt per Handtuch heißen Dampf durch die Stube. Das begeistert die Deutschen. Entrückt klatschten sie Beifall. Der Finne ballt die Faust, pfeift auf die Regeln und verlässt die alberne Szene.

Er sehnt sich nach der unverlogenen Schlichtheit seiner heimischen Sauna. Voller Hoffnung sucht er weiter. Endlich, in einer Seitenstraße, entdeckt er das Schild, das buhlerisch „Original finnische Sauna“ verspricht. Er bezahlt den Eintritt, nur um getäuscht festzustellen, dass auch hier Männer und Frauen gemeinsam saunieren. Das ist in seiner Heimat nicht üblich. Einzig im Familienverbund kann es vorkommen. Verschämt nimmt er Platz, und während der Aufgießer aromatisiertes Wasser auf die Steine gießt, orakelt neben ihm ein Oberkluger, dass das Wassergießen sehr gefährlich sei, der Ofen könne explodieren. Das hat der Gast aus dem Norden noch nie gehört. Er klärt den verblüfften Spezialisten auf, dass man in Finnland literweise frisches, klares, unparfümiertes Wasser auf die Steine schüttet, bis die Hütte qualmt. Ein Saunaofen sei dafür gemacht.  

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Saunieren in Deutschland

Nach einem Treffen mit Matti Kivinen, dem Präsidenten der internationalen Saunagesellschaft, Helsinki und dem Präsidenten des deutschen Saunabundes, Prof. Eberhard Conradi, in der finnischen Botschaft, Berlin, berichtet die Fachautorin Marion Cornelius, dass in deutschen Saunas seit über 60 Jahren eine Sanduhrkultur dominiere, die mit einer Anzahl von gesetzlichen Regeln und Vorschriften einher gehe. Mentalitätsentsprechend hat der deutsche Saunagänger sie verinnerlicht und widerspruchslos akzeptiert. Er beißt die Zähne zusammen und schwitzt, bis der Sand in die untere Hälfte des Glaszylinders gerieselt ist. Zwischendurch schielt er argwöhnisch auf das Schild, das in großen Buchstaben anordnet: Fühl dich wohl! –

Wolfgang Leidenforst, der in Finnland lebende Gründer des Vereins Lappland Sauna bemerkt, dass das Saunieren in Deutschland mit der traditionellen, finnischen „Schwitzstube“ nichts mehr gemeinsam hat. Saunen unterliegt bei uns strengen Regeln, während in Finnland traditionelle Bräuche und Erholung im Vordergrund stehen. Bestimmungen mindern den Spaß und die Wirkung. Überlieferte Riten erhöhen die persönliche Begeisterung und den gesundheitlichen Effekt. Finnlands Nationalinstitution hat viele schöne Rituale. Regeln gibt es nur außerhalb des Landes, speziell in Deutschland. Leidenforst hält das Saunen nach sturen Regeln für gefährlich. Die körperliche Verfassung und die Tageskondition des Einzelnen sind entscheidend für gesundes Schwitzen. Übung führt zum gewünschten Effekt und erholsamer, subjektiver Körperwahrnehmung. Ob man auf dem Weg dahin alles richtig macht, ergibt sich dabei ganz von selbst. Saunen ist ein Ausdruck der Lebensfreude. Es geht darum, die Poren zu öffnen und auf diese Weise Körper und Geist zu reinigen. Um das zuwege zu bringen, braucht man keine zwanzig Regeln; drei reichen aus: Gestalte deinen Saunagang so heiß du kannst, gieße so oft auf wie du magst und saune nur, wenn du  es als angenehm empfindest.

Die Sauna in Finnland war und ist ein Raum für viele Zwecke. Viele Neugeborene erblicken das erste Licht des Lebens in der mutterleibswarmen Umgebung der Sauna. Sie dient dem Räuchern von Fischen, dem Trocknen von Flachs und Lebensmitteln. Die Sauna ist eine Oase nach einem Arbeitstag, ein Platz in dem man sich versammelt und, wie in der Kirche, gemeinsam schweigt. Bis heute ist das so. In Finnland gibt es für seine 5 Millionen Einwohner etwa 2 Millionen Saunas. Man findet sie in jeder Umgebung, sei es beim Campen, in Wohnhäusern, Hotels oder öffentlichen Anlagen. Die älteste Art der Sauna ist die Rauchsauna, in deren Mitte sich eine offene Feuerstelle befindet und der Rauch durch eine Öffnung im Dach abzieht. Diese Konstruktion war vom 7. Jahrhundert an, bis in die 1920er Jahre geläufig. Von da ab wurden Saunas mit einem Kaminofen beheizt, der in den 1950er Jahren durch saubere, technisch sichere, elektrische Öfen abgelöst wurde. Gleichwohl erlebt die alte Rauchsauna zur Zeit eine Wiedereinführung.

Die meisten Deutschen gehen in die Sauna, um grippalen Infekten entgegen zu wirken. Für die Finnen ist das kein Thema. Sie saunen eh. Ein Sprichwort sagt:

„Hilft die Sauna nicht oder der Wodka, verläuft die Krankheit tödlich.“

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